Auf Initiative von einigen Kulturschaffenden in Lüneburg versammelten sich mehrere VertreterInnen aus Lüneburgs vielfältiger Kulturlandschaft am Mittwoch (20.09.11) zum ersten Kulturstammtisch im Gasthaus Krone. Die Einladung erfolgte durch – die bei der Kommunalwahl frisch gestärkte – Stadtratsfraktion der Grünen in Person von Ernst Bögershausen und Ulrich Völker, die zu Beginn der Sitzung die Ziele dieses institutionellen Treffens in vier Punkten zusammenfassten:

  1. Durch den Impuls zum Kulturstammtisch soll die Stimme der freien Kulturszene im Rat und Verwaltung der Stadt Lüneburg verstärkt werden.
  2. Beabsichtigt ist, durch dieses Forum eine größere Transparenz bei Vorhaben der Stadt zu erzeugen und den Austausch zwischen Politik und Kulturschaffenden zu erhöhen.
  3. Um die lokale Politik und Verwaltung für die Anliegen der Kulturlandschaft zu sensibilisieren, sollen aktuelle Problemfelder gesammelt und erörtert werden.
  4. Der Kulturstammtisch soll sich zu einem Ort für regelmäßigen Austausch und Vernetzung der Kulturschaffenden untereinander entwickeln.

Teilnehmer des KulturstammtischesIn diesem Sinne debattierten die VertreterInnen der anwesenden Institutionen u.a. von der Volksbühne Lüneburg, ArtProjekt Lüneburg, Theater e.novum, KIS, Theater zur weiten Welt, Kulturforum Wienebüttel, lunatic, ClubKulturWerke, FREIRAUM, Stadttheater erste Themenfelder. Die Pressevertreter der Lüneburger Rundschau und der Landeszeitung fehlten ebenso wenig, wie weitere Vertreter aus der Lokalpolitik in Persona des Vorsitzenden des Kulturausschusses Friedich von Mansberg (SPD).

In der offenen Runde kristallisierten sich mehrere Diskussionspunkte heraus:

a.) Die Einordnung und Verwendung des Wortbegriffs der „Kommerziellen Kultur“ seitens der Verwaltung führt zu einer unbefriedigenden Förderstruktur (z.B. bei Konditionen zur Anmietung des Klosterhofes für freie Theatergruppen).

b.) Der Kreis war sich überwiegend einig, dass einige städtische Stellen (von den Hoteliers bis in zur Verwaltung) die Leistung von Kultur zu wenig als Faktor zur Wirtschaftsförderung anerkennen und somit deren Relevanz für Tourismus, Arbeitskräfteansiedlung und die Umwegrentabilität (Zulieferindustriezweige für Kulturbetriebe) unterschätzen. Jeder Euro, der in Kultur investiert wird, zahlt sich 1,5fach wieder aus.

c.) Insbesondere den VertreterInnen freier Kulturschaffenden und Kulturträgern mangelt es teilweise an öffentlicher Anerkennung und Gehör für ihre Arbeit, da die etablierten Kulturinstitutionen mit ihren öffentlichen Fördermitteln im Bewusstsein der Politik stärkere Berücksichtigung finden.

d.) Zudem wurden auch zwei Zukunftshemen der Lüneburger Kulturlandschaft angesprochen: Dabei wurde einerseits das anvisierte Betreibermodell für die Alte Bäckerei und deren Ausschreibung kritisch hinterfragt. Andererseits wurde die Frage nach verbleibenden Räumlichkeiten (zusätzlich zum Jugendzentrum) der Alte Musikschule aufgeworfen. Hierzu informierte Herr von Mansberg, dass am Mittwoch, den 12.10. Oberbürgermeister Mädge in einer öffentlichen Veranstaltung zum Stand der aktuellen Ausschreibung Stellung nehmen wird.

Nach dieser ersten Erhebung von Problemfeldern wurde von den KulturträgerInnen und Kulturschaffenden der Wunsch nachgegangen, sich auch über zukünftige und inhaltliche Konzepte auszutauschen:

  • Nachdem thematisiert wurde, dass der AStA der Universität Lüneburg zukünftig Theaterbesuche von Studierenden im Stadttheater subventioniert, wurde die bestehende Idee für ein soziales Kulturgutscheinsystem für alle Kulturinstitutionen aufgeworfen.
  • Ulrich Völker berichtete von der Idee für die Erstellung eines Kulturentwicklungsplans, (nach Vorbild des Entwicklungskonzeptes für den Lüneburger Einzelhandel) bei dem eine Ist-Erhebung über die Kunst- und Kulturschaffenden und deren Tätigkeitsfelder ermittelt wird und somit Anhaltspunkte für zukünftige Planungen liefert.
  • Im Weiteren entstand eine erste Themenliste, die potenzielle Arbeitsfelder mit der Lüneburg Marketing GmbH skizziert: Stichpunkte sind hierbei ein Lüneburger Ticketgesamtsystem, ein zentraler Terminkalender für alle Kulturschaffenden auf www.lueneburg.de und mehr Gemeinschaftsaktionen (z.B. Lüneburger Kultursommer). Die Neubesetzung der Geschäftsführerposition der Lüneburg Marketing GmbH wurde allgemein als Chance für eine engere Zusammenarbeit bewertet. Herr Pruschwitz soll dazu bei einem entsprechenden Themenabend des Kulturstammtisches gezielt eingeladen werden.
  • Der Kulturstammtisch soll zukünftig in wechselnden Kulturinstitutionen stattfinden.

Ganz im Sinne der intensivierten Zusammenarbeit wurde sogleich ein Termin für den nächsten Kulturstammtisch festgelegt: Am Dienstag, den 25.10. um 19h treffen sich alle Interessierten im Theater e.novum für die Fortführung dieser Gespräche. Ein Schwerpunktthema wird dann die Alte Musikschule sein.